Die Macht der Passivität: Warum 50% der Schweizer ihr Vermögen verschenken – und wie Sie es besser machen
FOXinvest hat sich eine brandneue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zur Brust genommen, die das Anlage- und Vorsorgeverhalten in der Schweiz genau unter die Lupe nimmt. Die Ergebnisse sind eine Mischung aus spannenden Einsichten und einem dringenden Weckruf für alle, die ihr Kapital einfach auf dem Sparkonto liegen lassen.
Die Kernaussage ist glasklar: Wer handelt, dem wird gegeben. Wer passiv bleibt, verpasst durch den Zinseszinseffekt über die Zeit enorme Chancen.
Warum 50 % der Schweizer ihr Vermögen verschenken. Darum geht’s
- Die Hochschule Luzern HSLU hat im November 2025 eine Studie zum Thema „Studie zum Anlegen und Vorsorgen: Warum Geld oft auf dem Konto bleibt“ durchgeführt.
- Dieser Beitrag fasst die Studie zusammen und bietet Handlungsempfehlungen an.
- Geld auf dem Sparkonto zu hüten kommt einem teuer zu stehen.
- Checklisten zur Umsetzung; für junge Erwachsene und Menschen ab 50 Jahren.
- Wichtig ist aktiv zu werden und es ist keine Hexerei.
Die Riesen-Renditelücke: Sparkonto schlägt Aktienmarkt nicht
Viele Menschen in der Schweiz legen ihr Geld nicht in Wertschriften an. Die Konsequenzen dieses „Nicht-Anlegens“ sind dramatisch:
- Aktien vs. Sparkonto (30 Jahre): In den vergangenen 30 Jahren erzielten Aktienanlagen in der Schweiz eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 8 Prozent (inklusive reinvestierter Dividenden). Spargelder wurden im gleichen Zeitraum jedoch lediglich mit knappen 0.9 Prozent pro Jahr verzinst.
- Der Weckruf: Wer sein freies Vermögen nicht investiert, hat zum Zeitpunkt der Pensionierung ein deutlich geringeres Kapital zur Verfügung. Diesen Ertragsverzicht leisten sich etwa die Hälfte der Bevölkerung.
Die drei grössten Anlage-Killer: Angst, Unwissenheit und Aufwand
Die Studie zeigt, dass die Entscheidung, ob jemand investiert oder nicht, nicht nur von Einkommen und Vermögen abhängt. Vielmehr spielen psychologische Faktoren eine zentrale Rolle.
Der mit Abstand grösste Bremsklotz ist die Angst vor Verlusten. Personen, die stark von Verlustängsten geprägt sind, bleiben tendenziell passiv.
Weitere Hürden sind:
- Fehlendes Finanzwissen: Wer wenig weiss, investiert seltener.
- Wahrgenommener Aufwand: Nicht-Anleger nehmen das Anlegen in Wertschriften als aufwendiger wahr als Investoren.
FOXinvest-Tipp für Dich: Die Angst vor Verlusten lässt sich durch zwei Dinge effektiv bekämpfen: Diversifikation (Risikostreuung) und Langfristigkeit. Historische Daten zeigen, dass breit gestreute Anlagen über 15 Jahre praktisch immer positive Renditen abwerfen. Diesen Kontext müssen Finanzberater gezielt kommunizieren. Falls Du das Thema angehen möchtest und dir dies nicht zutraust, lasse Dich von einem ausgebildeten und neutralen Finanzberater unterstützen.
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Die Säule 3a: Der ideale «Einstieg ins Anlegen»
Die gute Nachricht: Die Säule 3a ist für viele Schweizer der natürliche und einfache Einstieg in die Welt des Investierens.
- Verbreitung: Drei von vier Personen verfügen über ein 3a-Konto, und es ist steuerlich attraktiv.
- Junge Pioniere: Die jüngste Generation, die Gen Z (18–28 Jahre), nutzt die 3a am intensivsten für Wertschriftenanlagen (61% legen ihr 3a-Vermögen in Wertschriften an).
- Wichtig: Die 3a bietet einen strukturierten, einfachen Weg, die Einstiegshürden zu senken und Vertrauen in Wertschriften aufzubauen.
Achtung, Pensions-Falle: Das Kapital auf dem Konto versauern lassen
Ein wachsender Trend ist, dass immer mehr Personen ihr Altersguthaben aus der Pensionskasse ganz oder teilweise als Kapital beziehen. Dieser Kapitalbezug ist besonders bei finanziell selbstbewussten Personen mit höherem Einkommen, Finanzwissen und weniger Angst beliebt.
Doch hier lauert die Falle: Viele Pensionierte, die sich das Kapital auszahlen lassen, legen es anschliessend nicht an, sondern belassen mindestens die Hälfte des Betrages auf einem Kontokorrent oder Sparkonto (hohe «Cash-Orientierung»).
Dies ist eine verpasste Chance, denn die Gefahr der Inflation nagt an diesem Kapital. Die Studie betont: Wer sein Kapital ausschliesslich auf Konten hält, vergibt langfristig die Chance auf höhere Erträge und einen Inflationsausgleich. Finanzielle Flexibilität im Alter bedeutet, die Verantwortung für dieses Kapital auch aktiv zu übernehmen und es klug, risikogerecht zu investieren.
Checklisten zur Umsetzung
Egal für welchen Weg man sich entscheidet. Wichtig ist, dass man sich heute und sofort mit dem Thema beschäftigt.
Checkliste 1: Für junge Erwachsene (Starten mit Investieren)
| Schritt | Fokus | Massnahme | Studienbezug |
| Angst entmachten | Psychologie | Betrachte die Börse als Langfrist-Projekt (20+ Jahre). Der Markt gleicht Schwankungen über lange Zeiträume aus. Starte gleich: Je früher desto besser. | Angst ist der grösste Anlage-Killer. |
| Wissen aufbauen | Kompetenz | Lerne die Grundlagen der Diversifikation (Risikostreuung) und des Zinseszinseffekts. Starte mit Fachbüchern, qualifizierten Blogs und YouTube-Kanälen. Lies regelmässig in meinem Finanzblog FOXinvest.ch oder schaue bei den Online-Kursen vorbei. | Fehlendes Wissen ist eine Haupthürde. |
| Niederschwellig starten | Säule 3a | Eröffne ein Säule 3a Wertschriftenkonto statt eines reinen Sparkontos. Nutze die steuerlichen Vorteile und automatisiere die Einzahlungen. | Die 3a ist der ideale, einfache Einstieg ins Anlegen. |
| Die Diversifikations-Kür | Freies Vermögen | Definiere eine Sparquote und investiere das Kapital (über Notgroschen hinaus) in einen global diversifizierten ETF (z.B. MSCI World). Mache es nicht kompliziert. | Das Anlegen wird oft als zu aufwendig wahrgenommen. |
| Automatisch & Diszipliniert | Verhalten | Richte einen Dauerauftrag für einen ETF-Sparplan ein (Cost-Average-Effekt). «Time in the market beats timing the market.» | Disziplinierte, regelmässige Anlage reduziert den «gefühlten Aufwand». |
Checkliste 2: Für Menschen über 50 (Vorbereitung auf die Pension)
| Schritt | Fokus | Massnahme | Studienbezug |
| Frühzeitig Auseinandersetzen | Planung | Beginne mindestens 10-15 Jahre vor der Pension mit der detaillierten Finanz- und Vorsorgeplanung. | Jede vierte Person macht sich zu spät Gedanken über die finanzielle Situation im Ruhestand. |
| Bezugsform definieren | Pensionskasse (PK) | Analysiere die Vor- und Nachteile von Rente, Kapital und Mischbezug. Beachten Sie, dass die Mischform an Bedeutung gewinnt. | 44% der 50+-Jährigen planen einen Mischbezug. |
| Qualifizierte Beratung einholen | Know-how | Nehme eine unabhängige Pensionierungsberatung in Anspruch. Die Wahl der Bezugsform ist komplex und hat hohe finanzielle Tragweite. | Drei von vier Personen wollen sich beraten lassen. |
| Cash-Falle vermeiden | Kapitalanlage | Falls Du Dich für einen (Misch-) Kapitalbezug entscheiden: Plane sofort die Anlage dieses Kapitals ausserhalb des Kontokorrents. Starte heute schon mit dem Investieren, damit kannst Du schon Kapital und Erfahrung aufbauen. | 27% der Pensionierten mit Kapitalbezug halten mindestens die Hälfte auf dem Konto, verpassen so Erträge. |
| Risiko anpassen | Portfolio-Strategie | Richte das Portfolio auf die Auszahlungsphase aus. Fokus auf Kapitalerhalt und risikogerechte Allokation (Liquidität vs. Renditechance). | Das Sicherheitsbedürfnis darf nicht zu einer kompletten «Anlageabstinenz» führen. |
Persönliche Meinung: Es ist zentral, einen neutralen Finanzberater zu fragen. Eine Bank, eine Versicherung oder ein Berater mit eigenen Anlagenprodukten ist schlicht nicht neutral. Es sind eigentlich Verkäufer von eigenen Produkten und erhalten in der Regel auch Provisionen auf diesen Verkäufen. Dies ist kein Vorwurf, einfach eine Feststellung.
Meine eigene Invest-Strategie
Hinweis: Dies ist ausdrücklich keine Empfehlung, sondern einen Einblick in meinen Weg. Je nach Alter oder Lebenssituation kann dies sehr unterschiedlich sein. Wissen aufzubauen ist jedoch für alle ein wichtiger Tipp.
- Dividenden-Titel kaufen
- buy & hold
- Dividenden reinvestieren
- Finanzielle Unabhängigkeit bis zur Rente
Die 5 wichtigsten Lernpunkte aus der Studie
- Die Angst vor Verlusten ist der grösste Anlage-Killer: Die Studie belegt, dass die Angst vor Verlusten der wichtigste Faktor dafür ist, dass Personen nicht in Wertschriften investieren. Dieser psychologische Faktor wiegt schwerer als das reine Einkommen.
- Passivität ist teuer: Im langfristigen Vergleich erzielten Aktienanlagen in der Schweiz in den letzten 30 Jahren rund 8% durchschnittliche Jahresrendite, während Spargelder nur 0.9% brachten. Passivität führt zur Vergrösserung der Vermögensungleichheit.
- Die Säule 3a senkt die Einstiegshürde: Die gebundene Vorsorge (3a) dient besonders für junge Erwachsene (Generation Z) als einfacher und vertrauenswürdiger Weg, mit dem Wertschriftensparen zu beginnen.
- Die «Cash-Orientierung» kostet Rentner Rendite: Viele Personen, die ihr Pensionskassen-Guthaben als Kapital beziehen (was immer häufiger geschieht ), lassen einen substanziellen Teil davon auf niedrig verzinsten Konten liegen (27% der Pensionierten halten mindestens die Hälfte dort). Sie verzichten dadurch auf weitere Erträge.
- Finanzielle Selbstbestimmung bedingt Wissen und frühe Planung: Personen mit hohem Finanzwissen, Interesse und geringerer Angst planen deutlich häufiger einen flexiblen Mischbezug (Kapital und Rente) aus der Pensionskasse. Die Auseinandersetzung mit der Vorsorge sollte nicht bis kurz vor dem Ruhestand aufgeschoben werden.
Über die Studie „Studie zum Anlegen und Vorsorgen: Warum Geld oft auf dem Konto bleibt“
Die Studie «Vorsorgen und Anlegen – eine ganzheitliche Betrachtung» wurde vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit der Luzerner Kantonalbank AG (LUKB) durchgeführt. Befragt wurden 2’005 in der Schweiz wohnhafte Personen zwischen 18 und 79 Jahren. Die Erhebung erfolgte im Juli 2025 online und ist in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildung und Sprachregion repräsentativ.
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